Forschungsaufenthalt Mumbai/India November 2008

Der diesjährige Forschungs- und Studienaufenthalt führte uns im November 2008 nach Mumbai. Wir kamen einer Einladung von Dr. Rajesh N. Maniar (MS (Orth), M Ch Orth (England), FCPS, DNB, Orthopedic surgeon) nach.
Dr. Maniar ist als Joint Specialist & Replacement Surgeon am Lilavati Hospital & Research Center sowie am Breach Candy Hospital in Mumbai (früher Bombay) tätig. Neben Patienten aus Indien wird er auch gehäuft von Engländern und Australiern konsultiert. Dr. Maniar´s Schwerpunkt ist der endoprothetische Kniegelenksersatz.
Unser Einsatzgebiet war das Lilavati Hospital, welches im August 2008 in der internationalen Presse aufgrund eines aktuellen stationären Aufenthaltes des Dalai Lama, der in Indien im Exil lebt, häufig erwähnt wurde. Die Klinik wurde 1995 neu erbaut und verfügt einen internationalen Standard hinsichtlich personeller und technischer Ausstattung, durchaus vergleichbar mit gehobenen Privatkliniken westlicher Länder.

Im Bereich der Kniegelenksendoprothetik werden alle Primärimplantationen und Endoprothesenwechsel vorgenommen. Da Dr. Maniar ebenfalls wie wir DePuy Kniesysteme einsetzt, gab es keinerlei technische Verständnisschwierigkeiten und der operative Ablauf erfolgte wie in unserem eigenen OP. Da in Indien über 20 verschiedene Sprachen gesprochen werden, ist die Amtssprache in der Klinik und im OP grundsätzlich Englisch.

Wir hatten die Möglichkeit sämtliche Patienten prä- und postoperativ zu visitieren. Auffällig an indischen Patienten sind zum einen groteske Achsenfehlstellungen der unteren Extremitäten und zum anderen die präoperative enorme Beweglichkeit der Kniegelenke. Letztere ist sicherlich durch den dortigen Kulturkreis bedingt, da viele Inder gehäuft den Schneidersitz einnehmen und über Stunden beibehalten können. So ist es durchaus keine Besonderheit präoperativ Patienten vorzufinden, die eine Achsabweichung von ca. 35° aufweisen, aber dennoch das Knie bis 130° ohne Probleme beugen können. Ausgeprägte Bandinstabilitäten sowie knöcherne Defekte durch langjährige Fehlstellungen sind in Indien durchaus häufiger als in Deutschland vertreten.

Wir haben Indien überwiegend die Implantate P.F.C Sigma posterior stabilized und P.F.C-RP Sigma posterior stabilized (rotating platform) eingesetzt. Diese Implantate verfügen über eine hohe Rate guter postoperativer Resultate hinsichtlich der Beugung, von Nachteil ist allerdings die Erfordernis der Resektion des hinteren Kreuzbandes und der Verlust von mehr Knochensubstanz am Femur und die hierdurch erschwerte Möglichkeit einer späteren Wechseloperation. Wir verwenden in Deutschland eher die P.F.C. Sigma und P.F.C.- Sigma RP Rotierende Plattform in der das hintere Kreuzband erhaltenden Ausführung. Im indischen Kulturkreis ist allerdings die maximale postoperative Beugefähigkeit ein Hauptziel des Patientenwunsches, der somit eine routinemäßige Verwendung der das hintere Kreuzband erhaltenden Variante ausschließt.

Sämtliche Knieendoprothesenoperationen werden von Dr. Maniar navigiert implantiert. Es kommt ein Navigationssystem der Fa. Brainlab Germany zum Einsatz. Das identische System steht uns im Diakoniekrankenhaus Ingelheim ebenfalls zur Verfügung. Durch die Navigation kann die Knieendoprothese erheblich präziser und unter Vermeidung jeglicher Achsenfehler implantiert werden. Die achsengerechte Implantation ist für die Haltbarkeit und Langzeitüberlebensrate der Knieendoprothese außerordentlich wichtig. Dr. Maniar nimmt diesbezüglich an internationalen Studien teil, um weitere Standards in der Knieendoprothetik mit zu entwickeln.

Insgesamt haben wir ein sehr interessantes operatives Spektrum im Lilavati Hospital gesehen: Beidseitige Kniegelenksimplantation in einer Sitzung, Kniegelenksimplantation nach Tibiakopfosteotomie mit sekundärer Fehlstellung, instabile Varusgonarthrosen mit 30° Fehlstellung, Verwendung von All Poly Tibiaplateaus und weitere Spezialfälle.

Postoperativ auffällig war die Tatsache, dass die meisten Patienten eine Beugefähigkeit von 90° nach bereits wenigen Tagen erzielten, sicherlich dadurch bedingt, dass präoperativ Beugedefizite nur eher selten vorkommen. Grundsätzlich übernachtet ein Angehöriger mit im Patientenzimmer und kann somit eine weitere Optimierung der postoperativen Betreuung erzielen. Der stationäre Aufenthalt beläuft sich wie in England und den U.S.A. nur auf ca. 5 Tage. Dies wäre auch in Deutschland ohne Probleme möglich, allerdings ist eine derart kurze Verweildauer nach dem rigiden deutschen DRG-Vergütungssystem nicht möglich.

Zusammenfassend war es ein sehr interessanter und faszinierender Forschungsaufenthalt, der auch die Versorgung von „Extremfällen“ mit einschloss.

Dr. med. Johannes Grimm

Zur Pressemitteilung

Impressionen aus dem Krankenhaus

Im OP, während der Implantation einer navigierten Knieendoprothese

Im OP, während der Implantation einer navigierten Knieendoprothese

In der Pause: Diskussion.
Links: Dr. Maniar, Mitte: Dr. Grimm, Rechts: Dr. Becker

In der Pause, Dokumentation der OP, Diskussion.
Links: Mr. Manish, Rechts: Dr. Maniar

Impressionen aus Bombay

Strassenszene im Mumbai

Strassenszene im Mumbai

Kinder in einem Park

Strassenszene im Mumbai

Gedenkstätte MANI BHAVAN, Gandhiji´s Residence in Bombay:
1917 – 1934.
Dargestellt sind Gandhi´s persönliche Gegenstände. U.a. begründete sich in diesem Raum der Freiheitskampf Indiens, welches am 15.08.1947 die Unabhängigkeit erlangte.

Viktorianische Architektur

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Praxis für Orthopädie und Unfallchirurgie Gonsenheim